Was ist Taekwondo?

Taekwondo ist die Koreanische Kunst der Selbstverteidigung. Frei übersetzt bedeutet Taekwondo die "Kunst des Fuß- und Handkampfs". Der Begriff Taekwondo setzt sich aus den drei Koreanischen Worten Tae, Kwon und Do zusammen.

Tae bedeutet Fuß, stoßen, springen und treten, Kwon heißt Faust, Hand und schlagen, Do ist der Weg, die Lehre oder die Methode.

Taekwondo ist die Kunst der unbewaffneten Selbstverteidigung. Es beinhaltet das schnelle Ausweichen und vermeiden von Angriffen oder das Abfangen der Angriffe mit Händen und Füßen sowie das Kontern von diesen, um den Gegner schnell und effizient abzuwehren.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Taekwondo und vielen anderen asiatischen Kampfsportarte, insbesondere dem Karate, sind die schnellen und hohen Fußtechniken, von denen es sehr viele im Taekwondo gibt. Mit Tritten und Fußstössen kann sich der Taekwondo Kämpfer seine Gegner auf Distanz halten. Darüber hinaus sind Fußtechniken in der Regel stärker als Angriffe mit Hand oder Faust.

Geschichte des Taekwondo

Die frühesten Aufzeichnungen über die Anwendung von Kampfkünsten in Korea gehen bis circa 50 Jahre vor Beginn der chistlichen Zeitrechnung zurück. Diese frühe Form der Koreanischen Kampfkunst war seinerzeit als "Taek Kyon" bekannt.
Damals war die Koreanische Halbinsel in drei Königreiche unterteilt:

  • Koguryo (37 B.C. - 668 A.D.)
  • Paekje (18 B.C. - 600 A.D.)
  • Silla (57 B.C. - 936 A.D.)

Diese Königreiche lagen miteinander im Krieg und kämpften regelmässig um den engen Lebensraum auf der Halbinsel. Silla, das kleinste der drei Königreiche konnte bald nicht mehr den Angriffen der beiden anderen Stand halten und wagte einen ungewöhnlichen Schritt, der zu einem wichtigen Wendepunkt in der Geschichte Koreas werden sollte:

Der 24. König von Silla, Chin Heung, liess eine Gruppe von Kämpfern bilden, den sogenannten HwaRang. (Hwa bedeutet Blume, Rang junger Mann, frei übersetzt bedeutet das ungefähr so etwas wie blühende Jugend). Darüber hinaus lernten sie auch eine Kunst der unbewaffneten Selbstverteidigung die Soo Bak Do genannt wurde. Dies war eine primitive Art des Fußkampfs mit wenigen Handtechniken. Die HwaRang fügten dieser Kampfkunst nach und nach eigene Techniken hinzu, um sie effektiver zu machen. Soo Bak Do wurden so erweitert, dass es gemeinsam mit den Waffen der HwaRang angewendet werden konnte, so dass die HwaRang sich besser gegen ihre Feinde verteidigen konnten.
Chin Heung brauchte aber mehr als bloss einen verstreuten Haufen von Elite-Kämpfern, um sein Königreich gegen die Gefahren von Aussen zu schützen. Er brauchte etwas, das die HwaRang vereinen würde und sie im Geiste miteinander verbindet. So bat er den Buddhistischen Mönch und Gelehrten Won Kang die Körperliche und Geistige Ausbildung der HwaRang zu übernehmen. Won Kang folgte dem Geheiß seines Königs und bildete die HwaRang nicht nur zu exzellenten Kämpfern aus, sondern er entwickelte auch einen Ehrenkodex, dem alle HwaRang Kämpfer folgen mussten. Dieser Ehrenkodex bestand im Wesentlichen aus folgenden fünf Regeln:

  1. Sei Deinem König treu ergeben
  2. Gehorche Deinen Eltern
  3. Ehre und vertraue Deinen Freunden
  4. Sie ausdauernd im Kampf
  5. Nimm niemals ein Leben ohne Grund
Vereint durch diesen Ehrenkodex und ausgestattet mit ihren einzigartigen Selbstverteidigungsfähigkeiten wurden die HwaRang bald als die HwaRangDo bekannt ("der Weg der blühenden Jugen"). Schon bald waren sie im ganzen Königreich berühmt für ihre Tapferkeit und ihre Kampfkünste.
Die beiden anderen Königreiche hatten den HwaRangDo nur wenig entgegen zu setzen und so hatte Silla bald die wesentlich grösseren Königreiche Paekje und Koguryo besiegt und zu einem einzigen Königreich namens Koryo vereint.

Die Koryo Dynastie

Während über 450 Jahre dauernden Koryo Dynastie (918 bis 1392) entwickelte sich Soo Bak Do vom Militärischen Trainingsdrill zum Volkssport. Auch andere Kampfkünste gewannen an Popularität im Volk, insbesondere das sogenannte Tae Kyon. In vielen Dörfern wurden regelmässig Wettkämpfe zwischen Soo Bak Do und Tae Kyon Kämpfern veranstaltet, in denen dem Gewinner hohe Amtsposten und Trainingsaufträge für das Militär winkten. So wurden die Kampfkünste im ganzen Land beliebt.

Die Yi-Dynastie

In der darauf folgenden Yi-Dynastie (1392 bis 1910) liess König Taejo, der Gründer der Yi-Dynastie, den Buddhismus als Staatsreligion durch den Konfuzianismus ersetzten und öffnete das Land so dem Einfluss des Chinesischen Reichs.
Das Erlernen und Praktizieren von Kampfkünsten wurde für das Volk verboten und durfte nur noch von Angehörigen des Militärs praktiziert werden. Die HwaRangDo verloren nach und nach ihren Einfluss und verschwanden letzen Endes ganz. Einen wichtigen Beitrag für den Kampfsport leistete jedoch der König Jong Jo, als er anordnete, dass eine Anleitung über die Selbstverteidigungstechniken des Tae Kyon und Soo Bak Do für das Militär geschrieben werden sollte. Diese Anleitung wurde von Lee Duk Mu geschrieben und enthielt detaillierte Instruktionen über den unbewaffneten Kampf, so dass dieses Wissen über die Jahrhunderte erhalten blieb.

Die Japanische Besatzung

Die Yi-Dynastie endete mit der Japanischen Besatzung am 2. August 1910.

Während der Japanischen Besatzungszeit wurde die Ausübung jeglicher Kampfsportarten verboten. Doch die Anhänger von Soo Bak Do praktizierten ihren Sport heimlich weiter.
Durch ein Friedensabkommen zwischen Japan und Korea wurde das Ausüben von Kampfsportarten wieder erlaubt und die Japanischen Kampfsportarten Kendo, Judo, Aikido und Karate hielten in Korea Einzug. Am 15. August 1945 wurde Korea von der Japanischen Herrschaft durch Sowjetische Truppen befreit.

Modernes Taekwondo

Nach der Befreiung von den Japanischen Besatzern entwickelten sich fünf grosse Kampfsportschulen in Korea, die sogenannten Kwans: Mooduk Kwan, Jido Kwan, Changmu Kwan, Chungdo Kwan und Songmu Kwan. Die Kampfsportarten, die in diesen Schulen gelehrt wurden setzten sich aus Techniken der verschiedensten Stile (KongSooDo, Tae Kyon, SooBakDo, TangSooDo, KwonPup, ...) zusammen.
1955 setzte sich ein Gremium aus Lehrmeistern, Historikern und prominenten Mitgliedern der Gesellschaft zusammen, um die unterschiedlichen Schulen zu koordinieren und sie zu einer vereinten Kampfsportart zusammen zu fassen.

Im April 1955 wurde der neue Name dieser vereinigten Kampfsportart bekannt gegeben, sie sollte künftig Taekwondo heissen. 1962 erkannte die Koreanische Amateursport Liga die Koreanische Taekwondo Union, welche später als die Koreanische Teakwondo Association (KTA) bekannt wurde, offiziell an.

Am 28. Mai 1973 wurde die World Taekwondo Federation (WTF) offiziell im Kukkiwon (Hauptquartier) in Seoul von Dr. Un Yon Kim eingerichtet. Die WTF sorgt dafür, dass die Wurzeln des Taekwono erhalten bleiben und weiter entwickelt werden. Sie überwacht Gürtel und Dan-Prüfungen, setzt die Prüfungsvoraussetzungen fest und fördert das Studium des Taekwondos in der ganzen Welt.

Taekwondo in Deutschland

General Choi Hong Hi brachte Taekwondo 1965 nach Europa, wo es sehr schnell viele Anhänger fand. In Deutschland fanden bereits 1968 die erste deutsche Meisterschaft statt. Zur ersten Taekwondo-Weltmeisterschaft 1973 in Seoul war auch schon ein Deutsches Team mit dabei.

1979 wurde sogar die Taekwondo Weltmeisterschaft in Sindelfingen ausgetragen, wo mit Rainer Müller auch gleichzeitig der erste Deutsche Weltmeister gekürt werden konnte. Die Deutsche Taekwondo Union wurde 1981 als Bundesverband der World Taekwondo Federation gegründet.

Inzwischen gibt es in fast jeder Stadt in Deutschland zumindest einen Taekwondo Verein. Somit steht Taekwondo den anderen grossen Kampfsportarten Karate und Yudo in Punkto Beliebtheit und Teilnehmerzahl in fast nichts mehr nach.

Mit den Olympischen Spielen von 2000 in Sydney, Australien hat Taekwondo den Status einer offiziellen Olympischen Disziplin erlangt!